Der Lange Saal - Hansasaal
Die Prophetenkammer
Der Ratsturm
Der Keller des Ratsturmes
Die Rentkammer
Der Senatssaal und weitere Säle im Ratsturm
Die Laube vor dem Rathaus
Die Ädikula (Nische)
Der Löwenhof und der Petersbrunnen
Der Muschelsaal, Schlachtsaal und Weiße Saal
Die Piazzetta

Der Lange Saal - Hansasaal

Der sogenannte Lange Saal umfasste die gesamte erste Etage des Rathauses. Nach den Bränden im Rathaus durch das Pogrom gegen die Juden im Jahre 1349 musste der große Saal renoviert werden. Er wurde mit gotischer Wandmalerei beschmückt, bis man im 19. Jahrhundert diese Malerei mit dem dazugehörigen Putz bei einer Restaurierung entfernte. Die übrigen Fragmente der Kunst kann man sich heute in der gothischen Etage des Wallraf-Richartz-Museum anschauen.

Seit dem 18. Jahrhundert bezeichnet man den Langen Saal als Hansasaal. Der Name kommt vermutlich daher, weil die Hansestädte in diesem Saal im Jahre 1367 beschlossen, gegen den dänischen König Waldemar Atterdag Krieg zu führen.

An der südlichen Stirnseite stehen die Skulpturen der Neun Guten Helden im Saal. Die Figuren sind jeweils circa 190 cm hoch und tragen ein Wappenschild. Sinnbildlich stehen sie für die drei Zeitalter der Heilsgeschichte.

Die Prophetenkammer

Die Prophetenkammer diente als Verbindung zwischen dem Hansasaal und dem Ratsturm. 1448 wurde die Kammer zum ersten Mal als camera prophetarum erwähnt. Der Name kommt von den acht Standbildern der Neun Guten Helden, die sich dort befanden, bis man sie in den Hansasaal brachte. Die Figuren aus Eichenholz wurden vermutlich etwa im Jahre 1410 angefertigt.

Um 1863 wurde die Prophetenkammer komplett umgestaltet und überformte die Ostfassade zum Alter Markt im Stil der Neorenaissance.

Der Ratsturm

1396, nach dem Sieg der Gaffeln und Zünfte über die Patrizier, erhielt die Bürgerschaft der Stadt Köln eine neue Verfassung. Erstmalig durfte sie sich damit selbst verwalten. Dieses für die Bürger bedeutende Ereignis gab den Anstoß für den Bau des repräsentativen, 61 Meter hohen Ratsturmes, der den neuen Stolz der Bürger weithin sichtbar machte.

Seit Anfang des 15. Jahrhunderts schmückten steinerne Skulpturen die Außenwände des Ratsturmes. Im Laufe der Zeit verwitterten sie und wurden mehrfach erneut aufgebaut.

Detailiertere Informationen zu den Skulpturen finden Sie hier:

In Richtung Alter Markt befindet sich am Ratsturm der Platzjabbeck mit seinem Schlapphut und Bart. Zu jeder vollen Stunde öffnet er den Mund und streckt die Zunge heraus. Daher leitet sich auch sein Name ab: Auf Kölsch heißt "jappen" den Mund aufreißen und "beck" geht zurück auf das französische "le bec" - der Mund. Entstanden ist der Platzjabbeck bereits im 15. Jahrhundert, aber erst 1913 beschloss der Rat, ihn beweglich gestalten zu lassen. Er steht symbolisch für die Machterlangung der Gaffel und Zünfte.

Der Sage nach soll Karl der Große seine drei Söhne aufgefordert haben, den Mund weit zu öffnen. Der erste Sohn weigerte sich, die anderen beiden folgten dem Wunsch ihres Vaters. Karl legte ihnen ein Stück Apfel in den Mund und übergab ihnen so einen Teil seines Reiches, während der erste Sohn leer ausging. Wer also zur rechten Zeit den Mund öffnet und zuschnappt, gewinnt Macht und Einfluss.

Der Keller des Ratsturmes

Der Keller ist der einzige Raum des historischen Turmes, der bis heute in originaler Substanz erhalten ist. Einst lagerte der Rat dort seine Weinvorräte, heute finden hier Eheschließungen statt.

Die Rentkammer

Die Rentkammer wird von der Stadt auch als Trauzimmer genutzt. Der Name erinnert an die ursprüngliche Funktion als Archiv und Standort des Tresors des Rates.

Der Senatssaal und weitere Säle im Ratsturm

Im ersten Stockwerk des Turms liegt der Senatsaal. Hier tagte einst der Rat der Stadt Köln. Im Jahre 1602 wurde der bis dahin eher schlicht gehaltene Senatssaal mit einer Renaissance-Stuckdecke sowie einem von Melchior von Rheidt entworfenen Prunkportal und Ratsgestühl neu gestaltet. Darüber befanden sich das ehemalige Archiv und Waffendepot. In der Turmspitze hatte der Brandwächter seine Stube.

Heute sind in den oberen Geschossen die Gastgeschenke an die Oberbürgermeister Kölns untergebracht, während sich im oberen Geschoss das Lapidarium befindet, das Museum der Steinbildwerke der Turmfassaden.

Die Laube vor dem Rathaus

Zeugnisse aus dem Jahr 1404 erwähnen zum ersten Mal eine Laube (Vorhalle) vor dem Rathaus. Aber erst in den Jahren 1569 bis 1573 wurde nach den Plänen von Wilhelm Vernukken die noch heute erhaltene Laube errichtet. Mit ihren zwei Geschossen und einer Breite von über 15 Metern gilt sie als das bedeutendste Renaissance-Bauwerk Kölns. Ihre Aufgabe war nicht nur die Verschönerung der Westfassade des Rathauses, sie unterschrich auch die Würde des Rates. Dieser verkündete vom Obergeschoss der Laube aus die Ratsbeschlüsse in Morgenansprachen.

Die Ädikula (Nische)

In der Ädikula (Nische) auf dem Obergeschoss steht die Statue der Justitia (Gerechtigkeit). In der Brüstung des Obergeschosses werden zwei Begebenheiten aus dem Alten Testament (Samson und der Löwe, Daniel in der Löwengrube) und mittig der Löwenkampf des Bürgermeisters Gryn dargestellt.

Der Sage nach, sie hat ihre historische Wurzeln in der Schlacht von Worringen von 1288, in der die Kölner die Truppen des Erzbischofs besiegten, lockten zwei rachsüchtige Domherren Hermann Gryn nach einem Streit der Stadt mit dem Bischof in eine Falle. Sie sperrten ihn mit einem hungrigen Löwen in einen Raum ein. Der tapfere Gryn bezwang jedoch den Löwen, wie die biblischen Vorbilder Samson und Daniel, mit Stärke, Mut und Furchtlosigkeit und ist somit auch als Symbol für die Stärke des Rates zu verstehen.

Der Löwenhof und der Petersbrunnen

Östlich an Rathaus und Turm fügte Laurenz von Kronenberg 1540/41 einen Galeriehof - den Löwenhof. Der zunächst nach Osten noch offene Laubenhof verband sowohl Renaissance-Elemente als auch gotische Rippengewölbe und Wasserspeier miteinander. 1594 wurde er auch an der Ostseite geschlossen. An dieser Seite findet sich wieder ein Hinweis auf den Bürgermeister Gryn. Sein auf einem Relief dargestellter Löwenkampf gab dem Löwenhof seinen Namen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der in Trümmern liegende Löwenhof nach Abgüssen der zerstörten Brüstungsreliefs mit originellen Wasserspeien komplett neu erstellt. Der Hofumgang ist nun mit einer Glasscheibe abgetrennt. An der Westseite ist im Umgang der sogenannte Petersbrunnen zu sehen, ein Alabasterbrunnen umrahmt von Putten in Wolken aus dem Jahre 1662. Dieses zierliche Kunstwerk stammt aus dem Kölner Dom.

Der Muschelsaal, Schlachtsaal und Weiße Saal

Der große Festsaal im Obergeschoss erhielt eine prachtvolle Rokoko-Ausstattung. Abgeleitet vom französischen "rocaille", zu deutsch "Muschelwerk", als immer wiederkehrendes Motiv an Decke, Kamin- und Wandfüllung, wurde er fortan Muschelsaal genannt.

1914 und 1915 folgte der Ausbau zweier weiterer Räume: Der Schlachtensaal benannt nach sechs Gemälden mit Darstellungen der städtischen Streitmacht und der Weiße Saal, verschönert mit Gobelins aus dem 18. Jahrhundert. Die Bomben des Krieges vernichteten diese Räume vollständig. An gleicher Stelle wurden aber bis 1972 erneut Empfangssäle errichtet.

Den heutigen, von Josef Faßbender gestalteten Muschelsaal ziert eine blaue Reliefstuckdecke, eine Spiegelwand sowie ein abstrakter Wandteppich. Ein farbenfroher, großformatiger Wirkteppich hängt auch im neuen Weißen Saal (Entwurf: Fritz Ahrend). Der Schlachtensaal existiert heute nicht mehr.

Die Piazzetta

Im geschlossenen Hallenhof entstand als neues zentrales Element, die Piazzetta, in der heute vor allem Empfänge stattfinden. Dort hängt neben Portraits der ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt der "Baldachin" von Hann Trier aus dem Jahre 1980. Die plastische Schalkonstruktion zeigt auf ihrer Unterseite freie Variationen der Farben und Formen des Stadtwappens. Auf der Oberseite ist ein Lageplan der Stadt zu sehen.

Vor der Wand des Saalbaues steht die Steinfigur des "Kölsche Boor" von der Eigelsteintorburg. Dieser symbolisierte seit dem hohen Mittelalter die Zugehörigkeit Kölns zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.