Die Pädagogik
Das Modellprojekt Bildungslandschaft Altstadt Nord soll für alle Nutzerinnen und Nutzer der Einrichtungen und für die Bürgerinnen und Bürger des Kölner Stadtteils Altstadt/Nord einen Mehrwert schaffen.
Gemeinsam wollen alle Beteiligten im pädagogischen und baulichen Sinne Räume schaffen für ein lebensnahes, verantwortungsvolles und inklusiv angelegtes Lernen und Lehren für alle Nutzerinnen und Nutzer der Einrichtungen und interessierte Bürgerinnen und Bürger des Viertels. Dafür werden der Mensch, seine Bedürfnisse und seine Lebenswelt in den Mittelpunkt des Handelns gestellt.
Die Antriebsfeder ist die Möglichkeit, im Verbund etwas Neues zu schaffen. Sinnvolle Innovationen verstehen die Einrichtungen als Chance, Bewährtes und Gutes als Vorraussetzung für weitere Entwicklungen in Pädagogik und Architektur.
Bedeutungsvolles Lernen
Bedeutungsvolles Lernen - das meint selbstbestimmtes, selbstorganisiertes und erfahrungsbasiertes Lernen in lebensnahen Zusammenhängen: Die Lernenden wissen, wofür und warum sie lernen.
Es ist ein eigenaktives Konstruieren, nicht bloßes Kopieren von Lösungen. Jede neue Erfahrung wird im Zusammenhang der bereits entwickelten Vorstellungen und Deutungsmuster interpretiert. Die Bedeutsamkeit einer Erfahrung hat dabei mit ihrem Bezug auf die alltägliche Lebenswelt der jungen Menschen zu tun.
Bedeutungsvolles Lernen hängt nicht davon ab, wie ein Lehrender eine Information präsentiert, sondern davon, wie der Lernende diese Information in sein bestehendes Wissen und Denkvermögen zu integrieren vermag.
Bedeutungsvolles Lernen ist in diesem Verständnis gekennzeichnet von drei pädagogischen Prinzipien:
Lernen als Selbstaneignung von Welt
Schule muss den Lernenden die Gelegenheit und den Raum geben, ihren eigenen Fragen selbstverantwortet und selbstständig nachzugehen, um so eigene Lösungswege herbeizuführen. Angebotene Inhalte, Materialien und Räume sind auf diese unterschiedlichen Lernwege ausgelegt. Zeiten und Arbeitsformen ermöglichen individuelles Lernen und eigenverantwortliches Handeln. Außerschulische Lernorte werden in den Unterricht eingebunden.
Lernen an bedeutsamen Inhalten
Lernen wird dann erfolgreich und nachhaltig, wenn die Aufgaben persönlich relevant sind. Das bedeutet einerseits attraktiv, interessant, emotional und persönlich wichtig und andererseits verständlich sowie in die eigene Gedanken- und Lebenswelt hineinpassend.
Lernen in Zusammenhängen
Unterricht muss sich an der Sache orientieren, fachübergreifend angelegt sein sowie Sinnzusammenhänge und Verbindungen aufzeigen. Ein solcher Unterricht arbeitet mit vielfältigen Methoden, ermutigt und bestärkt und ermöglicht Erfahrung, Erprobung und Bewährung. Er stellt hohe fachliche Anforderungen an die Lernenden und passt sich zugleich den Voraussetzungen und Fähigkeiten der einzelnen Lerner sowie der Lerngruppe an.
Bildungsübergänge
Übergang von der Hauptschule ins Gymnasium und Abendgymnasium
Schülerinnen und Schüler, die sich in der Hauptschule besonders anstrengen und besondere Begabungen zeigen, möchten häufig nach dem Hauptschulabschluss weiterlernen. Die Bildungslandschaft Altstadt Nord will dabei helfen. Für Übergänge von der Hauptschule zum Hansa Gymnasium wird daher noch in diesem Jahr ein Kooperationsprojekt gestartet. Für diejenigen, die gute Noten haben und Voraussetzungen erfüllen, werden entsprechende Plätze auf dem Hansa Gymnasium gesichert.
Es gibt Schülerinnen oder Schüler, die einen guten Hauptschulabschluss haben, gerne auf dem Gymnasium weiter lernen würden, aber zunächst Geld verdienen müssen. Für diese besteht die Möglichkeit, nach oder während der Berufstätigkeit oder Berufsausbildung in der engen Kooperation mit dem Abendgymnasium das Abitur oder Fachabitur zu erwerben.
Im Rahmen der Bildungslandschaft Altstadt Nord entsteht an diesem Standort so eine Sekundarstufe I, welche die dort lernenden Kinder- und Jugendlichen noch umfassender befähigt, aktive und verantwortungsbewusste Mitglieder der Stadtgesellschaft zu sein.
Jugendhilfe und Schule
Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Schule ist eine zukunftsweisende Aufgabe. Sie ist sowohl für die Jugendhilfe als auch für die Schule gesetzlich verankert. In der Bildungslandschaft Altstadt Nord arbeiten vier Schulen und derzeit zwei Jugendeinrichtungen zusammen. In der weiteren Entwicklung wird eine Kindertagesstätte, deren Bau bereits geplant ist, hinzu kommen.
Ganzheitliches Bildungsverständnis
Die pädagogischen Fachkräfte - Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Pädagoginnen und Pädagogen, Lehrerinnen und Lehrer sowie zukünftig Erzieherinnen und Erzieher setzen sich gemeinsam mit dieser neuen Herausforderung auseinander. Hierbei geht es um die Entwicklung eines gemeinsamen ganzheitlichen Bildungsverständnisses (Bildung, Betreuung und Erziehung) und die gemeinsame Verantwortungsübernahme für die Verbesserung der Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen durch beide Systeme. In der Umsetzung spiegelt sich dies beispielsweise in der gemeinsamen Erfahrung im Rahmen einrichtungsübergreifender Projekte wieder. Der Fachaustausch der verschiedenen Professionen, zum Beispiel auch im Rahmen von Exkursionen und Fachtagen, trägt erheblich zu einer Aufweichung zunächst festgelegter Vorstellungen über das jeweils andere System bei. Neue Kommunikationskulturen können sich auf die Begegnung der Kinder und Jugendlichen selbst in positiver Weise übertragen. Dadurch können sich auch hier neue Räume öffnen.
Kooperation
Die systemübergreifende Kooperation kommt zudem insbesondere bei der gemeinsamen Konzeptentwicklung der räumlichen Ausgestaltung der Bildungslandschaft zum Tragen. Hierzu gehören
- gemeinsame Lern- und Lebensumgebungen
- Werkstätten
- Essensräume
- Fachräume
- Begegnungs- und Kommunikationsmöglichkeiten.

