Girls Day 2010 für Mädchen mit Behinderung in Köln erfolgreich

Mädchen mit Behinderung zum ersten Mal dabei!

Am 22. April 2010 fand zum zehnten Mal der Girls Day statt. Wir konnten 22 Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dafür gewinnen, Angebote für Mädchen mit Behinderung zu machen. Unter anderem beteiligten sich hierbei einige unserer Dienststellen in der Stadtverwaltung, die Agentur für Arbeit und der Westdeutsche Rundfunk. Die Initiative hierfür ging vom Büro der Behindertenbeauftragten aus.

Der Girls Day bei der Stadt Köln

Von den 62 Schülerinnen, die bei uns am Girls Day teilnahmen, hatten fünf Mädchen eine Behinderung. Das gemeinsame Treffen fand im Stadthaus Deutz in der Magistrale statt.

Hier wurde deutlich, welche Konsequenzen bauliche Barrieren haben können. Die vier Schülerinnen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind kamen verspätet, weil das Stadthaus von der U-Bahnhaltestelle noch nicht mit einem Aufzug erreichbar ist. Die Schülerinnen mussten deshalb einen langen Umweg nehmen. Nach Abschluss der Bauarbeiten für den fehlenden Aufzug sollte dieses Problem ab 2011 nicht mehr entstehen.

Eine Schülerin konnte sich im Bürgeramt Porz in die Welt der Computertechnik einarbeiten. Eine Mitarbeiterin, die ebenfalls eine Behinderung hat, stand ihr hierbei zur Seite. Die Schülerin arbeitete bei dem Zusammenbau eines Computers mit und erstellte begeistert eine Powerpoint-Präsentation. Bei dem Abschlusstreffen zum Girls Day wurde diese Präsentation vorgeführt.

Zwei andere Schülerinnen sahen sich das Bürgerzentrum Deutz an und arbeiteten hier intensiv mit. Sie halfen bei der Ausgabe der Essen im Gastronomiebereich, erarbeiteten die Tagespläne für das Bürgerzentrum und lernten die Organisation in einem Bürgerzentrum genau kennen.

Zwei weitere Schülerinnen begleiteten an diesem Tag die Behindertenbeauftragte Marita Reinecke. Der Tag startete im Stadthaus Deutz mit einer kurzen Einführung in die Tätigkeiten des Büros der Behindertenbeauftragten.

Danach nahmen sie an einem dienstlichen Termin im Zentrum für selbstbestimmtes Leben (ZsL) teil. Das ZsL ist eine von vielen Beratungsstellen für Menschen mit Behinderung in Köln. Hier erfuhren sie, was der Beratungsansatz des Peer Counseling bedeutet: Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZsL sind selbst behindert und können so in der Beratung ihre berufliche Qualifikation mit ihren persönlichen Erfahrungen verbinden.

Außerdem sind sie aktiv in der politischen Interessenvertretung und damit ein wichtiger Kooperationspartner der Behindertenbeauftragten. Hier konnten die Mädchen viel Neues erfahren.

Schließlich besichtigten sie gemeinsam mit Frau Reinecke das noch nicht eröffnete Kulturzentrum am Neumarkt (KAN) und testeten dort die Barrierefreiheit.

Bei der Stadt Köln wurden alle Mädchen mit Behinderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut, die selbst eine Behinderung haben. Die Mädchen bewerteten dies als Mut machend. Sie konnten so vor Ort sehen, dass Arbeiten mit Behinderung gut möglich ist.

Infos zum Girls Day bei der Stadt Köln 

Der Girls Day bei der Agentur für Arbeit Köln

Am Girls Day in der Agentur für Arbeit Köln beteiligten sich 18 Mädchen. Sechs von ihnen waren Schülerinnen der LVR-Förderschule Anna-Freud-Schule. Drei ließen sich in den Beruf der Fachinformatikerin einführen. Sie erlebten, dass interessante Arbeitsfelder in technischen Berufen keineswegs immer mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden sind.

Beim regionalen IT-Service der Kölner Arbeitsagentur werden über 10.000 Computer-Arbeitsplätze an 227 Standorten betreut. Rund 50 Beschäftigte sorgen hinter den Kulissen dafür, dass Computer, Drucker und Telefonanlagen funktionieren.

Drei weitere Schülerinnen erfuhren am Beispiel der Ausbildung zur Fachangestellten für Arbeitsförderung, wie der Aufstieg zur Führungskraft funktionieren kann. Teamleiterinnen der Arbeitsagentur zeigten, wie die praktische Arbeit aussieht und welchen Weg man einschlagen muss, um dahin zu kommen.

Infos zum Girls Day bei der Agentur für Arbeit Köln 

Der Girls Day beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hatte in diesem Jahr 117 Mädchen in 19 verschiedenen Projekten zu Gast. Darunter waren drei gehörlose Schülerinnen der Johann-Joseph-Gronewald-Schule in Köln. Sie verbrachten ihren Tag im Ausbildungsbereich der "Fachinformatik" mit 20 anderen Mädchen. Zur Unterstützung waren ihre Lehrerin und zwei Dolmetscherinnen dabei.

Das Programm umfasste eine allgemeine Vorstellung über die Tätigkeiten beim WDR sowie erste Einblicke in den Ausbildungsberuf der Fachinformatikerin.

Danach gab es eine Führung durch die Räume von Support und die Hotline. Hier stehen die Fachinformatikerinnen für die Fragen der Anwenderinnen und Anwender zur Verfügung. Außerdem haben sie das Rechenzentrum besucht. Hier steht die ganze Hardware, die gebraucht wird damit die einzelnen Computer funktionieren und miteinander vernetzt sind. Die Mädchen lernten die Programmiersprache JavaScript kennen und programmierten damit ein Spiel mit einem Marienkäfer. In Zweiergruppen konnten die Mädchen mit Notebooks arbeiten, die gestellten Aufgaben lösen und experimentieren.

Außerdem gab es eine Führung durch die Räume des Radiosenders WDR 2. Der erlebnisreiche Tag wurde mit einem Quiz und einer Feedbackrunde abgeschlossen.

Die gehörlosen Mädchen fanden es besonders spannend, sich mit der Spiel-Programmierung auseinanderzusetzten und in diese neue Welt einzutauchen.

Für den WDR ging es darum, über die Darstellung des Berufes der Fachinformatikerin hinaus, den Mädchen einen Einblick in die Berufswelt zu ermöglichen und zu zeigen, dass es viele Mitarbeiterinnen, auch in handwerklichen und technischen Berufen, mit Behinderung gibt und ihnen dieser Bereich der Arbeitswelt nicht verschlossen bleiben muss. Voraussetzung ist natürlich, sich mit der Berufswahl und den Möglichkeiten intensiv auseinander zu setzen.

Daher gab es für die gehörlosen Mädchen noch einen extra Programmpunkt. Eine schwerhörige Mitarbeiterin des WDR setzte sich mit den Mädchen zusammen, um alle ihre Fragen zu beantworten. Das waren zum Beispiel die folgenden Fragen:

  • Wie ist es in der Arbeitswelt ohne beziehungsweise mit wenig Gehör?
  • Welche Aufgaben können übernommen werden?
  • Welcher Bildungsabschluss ist dafür nötig?
  • Welche Bildungswege hat diese Mitarbeiterin eingeschlagen?
  • Mit welchen Herausforderungen hat sie sich auseinandersetzen müssen?

Der WDR hofft, dass die Veranstaltung die Mädchen ermutigt und bestärkt hat, sich mit den beruflichen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Über mehr Schülerinnen mit Behinderung, die sich auf das Girls Day Angebot melden, würde der WDR sich freuen.

Das Fazit

Insgesamt wurde der Tag von den teilnehmenden Schülerinnen mit Behinderung sehr gut angenommen und positiv bewertet.

Es gab auch viel positive Resonanz seitens der angesprochenen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Die meisten zeigten sich bereit, die Angebote für Mädchen mit Behinderung im nächsten Jahr auszuweiten.

Die Resonanz von Seiten der Förder- und Gesamtschulen war in diesem Jahr noch sehr zurückhaltend, zumal die vorbereitenden organisatorischen Maßnahmen doch sehr aufwändig sind. So mussten Gebärdensprachdolmetscherinnen und Gebärdensprachdolmetscher einbezogen werden. Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst und der Zentrale für Gehörlose gelang die Vorbereitung und Durchführung gut.

Zusätzliche Schwierigkeiten bereitete es, dass einige Orte mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht oder nur sehr umständlich barrierefrei erreichbar sind. Das führte zum Teil zu hohem organisatorischen Aufwand und Verspätungen.

Insgesamt wurde das neue Angebot durch die Schulen jedoch sehr positiv aufgenommen. Mit den Erfahrungen des diesjährigen Girls Day und der entsprechenden Vorbereitungszeit werden im nächsten Jahr sicher deutlich mehr Schülerinnen mit Behinderung teilnehmen.

Weiterführende Links

Informationen zum Girls Day 
Information zum Girls Day in Köln 
Büro der Behindertenbeauftragten 
Unser Angebot für Menschen mit Behinderung 

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